
Qualifizierung und Weiterbildung im Bereich Multimedia
Dieser Text gliedert sich in drei Kapitel:
- Einzug der Informations- und Kommunikationstechnologien in die bisherigen Berufsbilder
- Multimedia-Berufe- was ist das/ wo kann ich mich weiterbilden
- Wo bekomme ich Informationen und Beratung
1. Einzug der Informations- und Kommunikationstechnologien in die bisherigen Berufsbilder
Viele Berufsbilder haben sich durch den Einzug der Informations- und Kommunikationstechnologien so stark verändert, daß Ausbildungsordnungen kaum Schritt halten können. Der Umgang mit EDV gehört längst in den meisten Berufen, quer durch das gesamte Spektrum, zu den geforderten Basisqualifikationen. Weitgehend eingegangen sind neue Anforderungen in die kaufmännischen Ausbildungsberufe. Hier hat die EDV alle Arbeitsbereiche so tief durchdrungen, daß es ohne entsprechende Kenntnisse kaum möglich ist, eine Stelle zu finden. Dies spüren Frauen, die nach längerer Familienphase in einen kaufmännischen/ Verwaltungsberuf zurückkehren wollen. Sie brauchen in aller Regel eine Fortbildung.
Besonders dramatisch sind die Veränderungen in den Grafik- und Druckberufen. Hier ist die Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen. So wandeln sich die Tätigkeiten durch die Informations- und Kommunikationstechniken grundlegend, und Strukturen verändern sich nachhaltig. Die Ausbildungsberufe vor allem der Druckvorstufe wurden in den letzten Jahren bereits novelliert und werden auch zum 1.1.97 wieder neu geordnet.
Während die entsprechenden Berufe tendenziell "Männerberufe" waren, haben sie sich durch die neuen Technologien gewandelt und sind nun eher "Frauenberufe:die köperlich schwere Arbeit ist weitgehend durch die Arbeit am Bildschirm ersetzt worden, so daß inzwischen mehr Frauen als Männer in den Berufen der Druckvorstufe ausgebildet werden.
Folgen/Auswirkungen des Wandels in den beruflichen Anforderungen:
- Chancen auf dem Arbeitsmarkt hängen von der Beherrschung der Technologien ab
- Fortbildung ist damit wichtiger denn je; Nach Berufsunterbrechungen ist ohne Fortbildung kein Anschluß zu finden
- Berufsbereiche verändern ihre Struktur: Arbeitsgänge fallen weg, Spezialisierungen werden aufgeweicht
- neue Dienstleistungen entstehen verbunden mit einem Trend zu Mini-Existenzgründungen z.B. in der Grafik
2. Multimedia-Berufe- was ist das/ wo kann ich mich weiterbilden
Weil es bei Multimedia um einen neuen, rasend wachsenden und sich verändernden Bereich handelt, gibt es bisher kaum einheitlich geregelte, nach Bundes- oder Länderrecht anerkannte Ausbildungsabschlüsse. Es entstehen aber derzeit neue Berufsbilder, die über geregelte 3jährige Ausbildungsberufe vermittelt werden sollen.
Allerdings gibt es seit kurzem eine Reihe von Fortbildungsveranstaltungen, die unter der Ðberschrift Multimedia-Fortbildung Kenntnisse in Bild-, Text-, Video-, Audiobearbeitungen und die Integration dieser Elemente vermitteln und die schwerpunktmäßig auf die Bereiche Werbung, Public Relations, Journalismus und Bildung abzielen.
In der bundesweiten Weiterbildungsdatenbank Kurs Direkt sind derzeit ca. 500 Fortbildungsangebote aufgelistet, allein in Baden-Württemberg laufen 19 Langzeit-Maßnahmen von mindestens 6 Monate Dauer (die meisten dauern etwa 1 Jahr und finden in Vollzeit statt).
Die Fortbildungsangebote setzen meist Hochschulabschluß voraus, mindestens aber Ausbildung und Berufserfahrung in Berufen aus Bereich Druck, Grafik, Werbung, Fotografie.
Ähnlich schillernd wie der Begriff Multimedia selbst präsentieren sich auch die Fortbildungsabschlüsse: Sie heißen beispielsweise Multimedia-Fachfrau, -producerIn, -autorIn, -programmiererIn, -entwicklerIn, -designerIn, -beraterIn, -koordinatorIn, -konzeptionistIn oder ScreendesignerIn. Es geht um die Entwicklung von Multimedia-Produktionen, um die Gestaltung und die Vermarktung dieser Produkte.
Meist werden die Kurse durch private Anbieter und gefördert durch die Arbeitsverwaltung durchgeführt.
Daneben entstehen auch neue Studiengänge, z.B.IngenieurIn Medientechnik, die ähnliche Inhalte vermitteln.
Welche Bezeichnungen sich durchsetzen und ob und welche neuen eigenständigen Berufsbilder sich entwickeln und behaupten, läßt sich derzeit noch nicht sagen, da auch bereits vorhandene Berufe entsprechende neue Inhalte aufnehmen.
Die Namensvielfalt bei den Fortbildungsabschlüssen soll teilweise auch eine Schwerpunktsetzung ausdrücken. Zumeist vermitteln die Kurse aber eine ähnliche breite Palette an Grundlagen anstatt vertiefter Spezialkenntnisse.
Eindeutige, umgrenzte Einsatzmöglichkeiten aufgrund der einzelnen Inhalte sind in der Regel noch nicht klar zu benennen, weil sich der Markt noch entwickelt, Nischen erst entstehen und die Grundlagen für viele Tätigkeiten in dem Bereich die gleichen sind.
Wichtig für Fortbildungsinteressierte ist es damit, sich über Inhalte, Aufgaben und Werkzeuge in der Multimedia- Produktion kundig zu machen und die eigene Schwerpunktsetzung zu betreiben.
Nach der Qualifizierung geht der Trend hin zu Mini-Existenzgründungen bzw. zu freiberuflicher Tätigkeit.
Neben den als Multimedia-Fortbildungen bezeichneten Angeboten gibt es seit mehreren Jahren eine breite Palette von Kursen in Desktop Publishing (DTP), die sich gezielt an Leute mit Ausbildungen im Bereich Druck/Druckvorstufe, Grafik und Fotografie richten. Sie beziehen sich auf Erlernen des Umgangs mit der speziellen Software und überlappen sich inhaltlich stark mit den ausgewiesenen Multimedia-Kursen. Sie vermitteln Text- und Bildbearbeitung per Computer, Umgang mit Scannern etc. Die Multimedia-Kurse enthalten viele identische Elemente, nehmen nur die durch das Fortschreiten der technischen Möglichkeiten hinzukommenden Elemente auf: z.B. CD-Rom-Produktion, Integration von bewegten Bildern und Audio-Elemente. Bundesweit sind in der Datenbank Kurs Direkt fast 3000 DTP- Fortbildungsangebote aufgelistet, immerhin 130 Kurse, die mindestens 6 Monate Vollzeit beanspruchen.
3. Wo bekomme ich Informationen und Beratung
Information und Beratung für Frauen
Infos zu Berufen sonst:
Berufsverbände, Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB),Berlin, Kammern
Infos zu FB-Angebot sonst:
Überblick durch die Datenbank KursDirekt, Informationsservice der Bundesanstalt für Arbeit, angeboten vom Institut derDeutschen Wirtschaft, sehr umfangreiche bundesweite Datenbank zu Angeboten beruflicher Aus- und Weiterbil-dung. 4xjährlich aktualisiert; Ist kostenlos online zu nutzen über http\\www.kursdirekt.de
- regionale Infos über Zusammenstellung "fit durch Fortbildung" der einzelnen Kammerbezirke in Baden-Württemberg, 1-2xjährlich aktualisiert; erhältlich über Landesgewerbeamt Stuttgart oder vor Ort bei Arbeitsämtern oder Volkshochschulen